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Die Geschichte des Internationalen Zirkels

Wie hat alles begonnen?

Die Ursprünge reichen sehr weit zurück. Bayreuths früherer Oberbürgermeister Hans Walter Wild und der damalige Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG), Herr Oskar Sauer, hatten schon zu ihrer Amtszeit in den 70er Jahren konkrete Pläne für ein „Haus Annecy“ in unserer Stadt. Leider konnte dieses Projekt niemals verwirklicht werden.

Aber es ist niemals in Vergessenheit geraten.

Die Deutsch-Französische Gesellschaft, die älteste aller hiesigen internationalen Gesellschaften, hatte im Laufe der Zeit längst eingesehen, dass die Belegung und vor allem die Finanzierung von Räumen durch sie allein in jeder Hinsicht äußerst problematisch, um nicht zu sagen illusorisch wären. Die einzige Chance, sich diesen lang ersehnten Traum zu erfüllen, bestand darin, ihn gemeinsam mit der Deutsch-Englischen, Deutsch-Italienischen und Deutsch-Hispanischen Gesellschaft zu verwirklichen.

Die entscheidenden Weichen für die Realisierung wurden am 22. März des Jahres 2001 gestellt. Nach der Mitgliederversammlung der Deutsch-Französischen Gesellschaft im Vogelsgarten, bei der wie so oft Pläne von eigenen Vereinsräumen durchdacht wurden, gab es die ersten Gespräche mit unserem heutigen Vermieter, Herrn Klaus Hamann.

Und dann folgten lange Wochen der Verhandlungen, Überlegungen und Kalkulationen. Viele Telefonate und Briefe, endlose Gespräche, ein ständiges Abwägen der Vor- und Nachteile. Wie bringt man vier eigenständige Gesellschaften unter einen Hut?

Lässt sich ein derartiges Projekt überhaupt finanzieren? Fragen über Fragen, nach deren Antworten immer eifriger, schließlich ganz konkret gesucht wurde.

Klaus Hamann hat uns durch sein großzügiges Entgegenkommen den Einstieg erheblich erleichtert und somit den internationalen Gesellschaften und unserer Stadt Bayreuth neue Perspektiven eröffnet.

Ein weiterer wesentlicher Impuls, das Projekt Schulstraße gemeinsam anzugehen und seit dem 1. Juli 2001, dem Tag, an dem der Mietvertrag unterzeichnet wurde, an einem Strang zu ziehen, war ohne Zweifel der Umstand, dass unter den vier Vorständen ein sehr gutes Klima und freundschaftliche Beziehungen herrschten, die sich in der Vergangenheit bereits in zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen bewährt hatten.

So unterschiedlich wir auch waren, so ideal ergänzten wir uns in der gemeinsamen Sache.

Das südländische, fröhliche, gastfreundliche und unkomplizierte Wesen der einen gesellte sich zur sehr höflichen und vornehm zurückhaltenden Art der anderen. Temperament und Charme gaben dazu die richtige Mischung. Vier Fremdsprachen beherrschten unsere Räume und unser Bindeglied war die deutsche Sprache.

Es kann doch kein Zufall sein, dass die Eröffnung unserer Räume gerade in das „Europäische Jahr der Sprachen“ fiel, einer von der Europäischen Union und dem Europarat ins Leben gerufenen Initiative, die Menschen zum Sprachenlernen motivieren sollte.

Unter dem Motto „Sprachen öffnen Türen“ gab es in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen, und wir in Bayreuth schätzen uns glücklich, hier einen wesentlichen Beitrag leisten zu können. Denn die Welt wächst zusammen, und das Sprechen von Fremdsprachen ist heute wichtiger denn je. Nicht nur, aber besonders junge Menschen müssen auf eine Kultur der Mehrsprachigkeit, auf eine Kultur der Verständigung vorbereitet werden

„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“:

Damit bringt Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“ die Bedeutung des Spracherwerbs und insbesondere des Fremdsprachenerwerbs auf den Punkt.

„Du hast so viele Leben, wie du Sprachen sprichst.“

Nach diesem Sprichwort aus dem Tschechischen müsste der Zirkel ein langes Leben haben.

Sprachen schaffen Zugang zu anderen Menschen und Kulturen, zu anderen Lebensweisen und Weltsichten und auch zu anderen Wirtschafts- und Arbeitsmärkten.

Europa ist gerade dabei, sich unter Beibehaltung seiner kulturellen Vielfalt zu einigen. Die Aktivitäten und Mitgliedschaften der internationalen Gesellschaften beschränken sich jedoch nicht nur auf den europäischen Raum, sondern es werden Kontakte zu Menschen innerhalb wie auch außerhalb der Grenzen Europas gesucht (s. Die Deutsch-Hispanische Gesellschaft)

Dies führte schließlich dazu, bei der Namensfindung für unserer Räume von dem zuerst vorgeschlagenen „Eurotreff“ Abstand zu nehmen und sich auf „den internationalen Zirkel“ zu einigen.

Für uns bedeutet die Kultur in erster Linie Begegnung, eine persönliche Begegnung von Menschen verschiedener Nationen.

Eine Annäherung dieser Menschen lässt sich nur erreichen, wenn wir uns alle richtig verstehen, aber trotzdem an unseren jeweiligen Nationen festhalten.

Um den Jahreswechsel 2003/2004 herum vergrößerte sich der Zirkel nach der Gründung der Deutsch-Polnischen und Deutsch-Tschechischen Gesellschaft erheblich. So fand die EU-Osterweiterung auch ihren Niederschlag in der Zusammensetzung des Zirkels und sorgte für eine weitere erhebliche Bereicherung des kulturellen Angebots und unserer gemeinsamen Aktivitäten.

Der Zirkel spiegelt demnach die Geschichte Europas nach dem Krieg wider: Kalter Krieg, Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, zuerst nur die westlichen Gesellschaften, dann die Osterweiterung. Der Versuch einer Deutsch-Türkischen und Deutsch-Chinesischen Gesellschaft sich in Bayreuth längerfristig zu etablieren, schlug leider fehl. Erfreulicherweise besteht inzwischen eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit Deutsch-Rumänischer und Deutsch-Ukrainischer Gesellschaft.

Die Aktivitäten des Zirkels sollen an einigen Beispielen demonstriert werden:

Dass die Initiative, den Europatag in den Mittelpunkt zu stellen, schon vor vielen Jahren in Bayreuth von den Sprachgesellschaften ausging, ist im Grunde genommen nur eine logische Folge ihrer Aktivitäten.

Jean Monnet, einer der wichtigsten Vordenker der Europa-Idee, meinte am Ende seines Lebens:

„Wenn ich noch einmal ein gemeinsames Europa plante, dann würde ich mit der Kultur beginnen.“

Jean Monnet sagte weiter:

„Wir vereinigen keine Staaten, wir vereinen Menschen.“

Viele Jahre lang war der Internationale Zirkel ein zuverlässiger und nicht zuletzt deshalb auch sehr gern gesehener Partner bei den Neudrossenfelder Europatagen.

2026 fand erstmalig ein Internationales, Integratives Kinderfest zum Europatag in Bayreuth statt.

Seit 1982 ist der 21. Juni das offizielle Datum für das Fest der Musik, das in Frankreich seinen Ursprung hat, sich aber seit geraumer Zeit über ganz Europa

ausgebreitet hat. Das Fest der Musik und der Poesie, das wir im Zweijahres-Turnus im Innenhof hier in der Schulstraße feierten, war viele Jahre legendär, ebenso wie die Teilnahme am Bürgerfest der Stadt Bayreuth, seit vielen Jahren für viele ein fester Treffpunkt auf den Schloßterrassen..

Ein Highlight, ein Dauerbrenner, ein Selbstläufer ist das traditionelle Herbstfest.

Fest etabliert inzwischen auch der traditionelle Neujahrsempfang, mit Vertretern aus Gesellschaft und Politik.

Der Zirkel übernahm die Schirmherrschaft bei der Interkulturellen Woche 2010.

Da ein interkultureller Dialog nur in einer mehrsprachigen Welt möglich ist und da der Zirkel in seiner Gesamtkonzeption ganz im Zeichen der Öffnung zu anderen Kulturen und Sprachen steht, war es durchaus nicht verwunderlich, dass Dr. Wolf vom Ev. Bildungswerk mit der Bitte an den Zirkel herantrat, die Schirmherrschaft zu übernehmen.

Bei der Pflege der Partnerschaften der Stadt Bayreuth schätzt man bis zum heutigen Tag die permanente Mitarbeit und die große Unterstützung der DFG, DPG und DTG.

Was bringt uns die Zukunft???

Unsere Gesellschaft unterliegt einem ständigen Wechsel, und somit ändern sich auch die Voraussetzungen und Erfordernisse zur Wahrung aller internationaler Kontakte und Beziehungen.

Bei dieser Zukunftsaufgabe spielt jede einzelne Gesellschaft des Zirkels eine wichtige Vermittler-Rolle in der Zivilgesellschaft. Ihr persönliches Engagement trägt zur Schaffung der gesellschaftlichen Grundlage bei, auf der die Politik mit ihren Verträgen aufbauen kann.

Jugendliche sind eher für konkrete Aufgaben und Projekte als Vereinsmitgliedschaften zu gewinnen. Und gerade aus diesen Gründen bleibt die Ansprache der Jugend eine permanente Herausforderung.

Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, die enge Zusammenarbeit mit den Schulen vor Ort zu suchen.

Jugendliche sind interessiert, neben Sprachkenntnissen vor allem Auslandserfahrungen in Form von Praktika im Ausland zu sammeln. Hier können unsere Gesellschaften wichtige Hilfestellung leisten, die sie bei Erfolg für junge Leute attraktiv macht.

Seit dem Gründungsjahr 2001 ist es das Bestreben des Internationalen Zirkels, in einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Wir denken dabei an unsere Schulen, die Universität, an alle Vereine und Organisationen und an die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die Zugang zu Sprache und Kultur anderer Länder suchen.

Überalterung, Mitgliederschwund und zunehmend geringere Bereitschaft, in Vereinen Verantwortung zu übernehmen, machen auch vor den Mitgliedsgesellschaften nicht halt. Nach dem Ausscheiden der Engländer und Italiener bedarf es jetzt nun dringend einer Neuorientierung, einer Neuaufstellung des Internationalen Zirkels. Der Zirkel braucht neue Strukturen, um der kulturellen Vielfalt der Stadt Bayreuth ein Dach zu bieten.

Seit 8/2025 ist der Internationale Zirkel ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Er sieht sich als Dachverband für internationale Gesellschaften/Vereine, die auf der Grundlage der Satzung die dort beschriebenen Werte teilen. Dennoch bleibt er auch ein loser Zusammenschluss, wobei jede einzelne Gesellschaft ihre Eigenständigkeit behält. Der Grundsatz des „Internationalen Zirkels“ war in der Vergangenheit und wird auch in der Zukunft die Einheit sein, niemals die Gleichmacherei oder die Einförmigkeit.

Der Bayreuther Zirkel ist etwas Einzigartiges in unserem Land. Uns ist keine andere Stadt bekannt, die über ein derartiges internationales Zentrum verfügt.

Bayreuth, im Juni 2026

Peter Schmidt

Gründer des Internationalen Zirkels,

Ehrenvorsitzender der DFG Bayreuth Peter Springl

Vorsitzender des

Internationalen Zirkels

Bayreuth e. V.